Pumpentherapie beim diabetes m. Typ 1

unter Beachtung der Therapieansätze des Diabetesdorfs Althausen

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Wie beeinflusst der Einschlafzeitpunkt meine Insulinpumpentherapie?

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Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf meinen eigenen Mitschriften und stellen die Erklärung eines medizinischen Laiens dar.
Die Praxis belegt allerdings das Problem des stark unregelmäßigen Einschlafzeitpunktes.
Wenn Sie bei sich Therapieänderungen vornehmen wollen, besprechen Sie dies immer zunächst mit Ihrem behandelnden Arzt.


Jeder von uns hat sicherlich schon einmal von der „inneren Uhr" gehört oder diese am eigenen Leib verspürt.

Besonders deutlich wird sie beim Tag-/Nacht-Rhythmus.
Unter normalen Verhältnissen (kein Schichtdienst) werden wir in schöner Regelmäßigkeit (hell)wach oder (tod)müde.

Klar, denken Sie, das hängt mit dem Wechsel von Hell und Dunkel zusammen. In der Tat beeinflusst der Hell-Dunkel-Rhythmus die Ausschüttung von Melatonin, des Schlafhormons. Wird es Dunkel, steigt der Melatonin-Spiegel und wir werden müde, denn das Hormon senkt unsere Antriebskraft. Solche Auslöser (durch äußere Einflüsse) bezeichnet die Chronobiologie - die Wissenschaft, die sich mit dem Entstehen und der Bedeutung von Körperrhythmen befasst - als Trigger.

Andererseits haben Versuche gezeigt, dass man beim Entzug des Hell-Dunkel-Rhythmus (z.B. in einem Bunker) nach einer festen Zeit (25 Stunden) automatisch Melatonin ausscheidet.

Unter Alltagsbedingungen, mit einem regelmäßigen Tagesablauf, führt der Automatismus (25 - 26 Stunden-Rhythmus) und die Beeinflussung durch Trigger dazu, dass sich der Körper auf einen 24-Stunden-Rhythmus einspielt (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Circadiane_Rhythmik).

Ähnliche tagesrhythmische Schwankungen beeinflussen auch die Insulin-Therapie, weil sie unter anderem die Ausschüttung der Glucocorticoide (in www.medizinfo.de / (in Wikipedia), im Wesentlichen Cortisol (=Hydrocortison), in der Nebennierenrinde beeinflussen.

Hormone, die Gegenspieler des Insulins sind, besitzen ihren maximalen Blutspiegel in den frühen Morgenstunden und ihren niedrigsten Wert gegen Mitternacht.

Dieses Phänomen am frühen Morgen bezeichnet die Diabetologie als Dawn-Phänomen (von engl. dawn = Morgendämmerung).

Jeder Mensch ist davon betroffen, wenn auch in unterschiedlich ausgeprägter Form.
Der gesunde Mensch schüttet bei der vorübergehenden geringeren Insulinwirkung „automatisch" Insulins aus der Bauchspeicheldrüse aus. Der insulinabhängige Diabetiker hat diese Möglichkeit nicht mehr.

Er muss genau planen, wann er sein Insulin (von außen) bereit stellt. Dieser Zeitpunkt wird, wie eingangs beschrieben, durch den Tagrhythmus und den Auslöser (Trigger) bestimmt.

Dieser Trigger ist beim Wachstumshormon und den Glucocorticoiden das Einschlafen.
Einmal getriggert, folgt eine Karenzzeit von ca. 15 Stunden, in der kein neuer Trigger ausgelöst werden kann. Diese Zeitangabe ist ein Durchschnittswert aufgrund klinischer Erfahrungen.

Etwa eine halbe Stunde nach dem Trigger wird das Wachstumshormon pulsativ, d.h. kurz und schnell, im Abstand von ca. 7,5 Minuten für die Dauer von etwa 2 Stunden ausgeschüttet.
Die stärksten Ausprägungen hat die Ausschüttung in den ersten Lebensjahren und während der Pubertät.
Beim Erwachsenen sind die Auswirkungen eher gering, im Vergleich zu den Glucocorticoide (Cortisol), die die Nebennierenrinde im Anschluss beginnt abzugeben; zunächst langsam, später schnell ansteigend.

Da das Insulin(analog) eine gewisse Zeit benötigt, bis es im Körper an den entsprechenden Stellen wirkt, muss der Diabetiker dies in seiner (BR-)Planung mit berücksichtigen. Das Insulin ist dann (vor)zeitig bereit zu stellen, damit es wirkt, wenn die Insulinresistenz einsetzt.

Betrachten wir dies am Beispiel:

Im Regelfall gehen wir zu annähernd gleichen Uhrzeiten zu Bett. In folgenden Fall um 22:30 Uhr.

Unsere BR ist danach programmiert.

Um das Insulin vorzeitig bereitzustellen, steigt die Insulin-BR-Kurve gegen 2:00 Uhr an, damit das Insulin ab ca. 3:45 Uhr mit dem Cortisol-Anstieg zurecht kommt.
Die Nachwirkzeit des Insulins deckt den Cortisol-Berg mit ab.
Wenn die Insulingegenspieler, die zur Insulin-Resistenz führen, im Blutspiegel zurück gehen, geht auch die BR deutlich zurück.

 

Einschlafen1. Bild

 

Soweit, so gut! Alles logisch!

Aber was geschieht, wenn der Diabetiker mit dieser BR sich deutlich später schlafen legt?

 

Einschlafen verschoben2.Bild

Der Trigger des Einschlafens kommt viel später und das Wachstumshormon und Cortisol wird somit erst später abgegeben.

Der in der BR programmierte Insulinberg wird zu früh bereitgestellt und kann zu einer Hypo führen.

Ab 08:15 Uhr bis 11:15 fehlt Insulin, um mit der kontrainsulinären Hormonwirkung zurecht zu kommen. Der Zucker steigt schwer kontrollierbar in die Höhe (Dawn-Phänomen!).

Das gleiche Szenario spielt sich ab, wenn wir uns bei einem sonst normalen Tagesablauf ausnahmsweise nachmittags zu einem Nickerchen hinlegen.
Das Einschlafen wirkt in Abhängigkeit vom letzten Einschlafzeitpunkt ggf. ( nach ca. 15 Std. Karenzzeit sicherlich) als erneuter Trigger und startet einen neuen circadianen Rhythmus der Hormonabgaben.
Somit kommt es im Weiteren zu entsprechenden Verschiebungen des Insulinbedarfes/der Insulinempfindlichkeit, so dass die üblicherweise programmierte Basalversorgung den Insulinbedarf nicht mehr zutreffend abdecken kann. Entsprechend ändern sich in solchem Fall auch die Bolusfaktoren und Korrekturregeln. Das gilt solange, bis sich die Einschlaftriggerung wieder mit der gewohnten Schlafenszeit deckt.

 

Was können wir dagegen machen?

Wer sonst um 23:oo Uhr ins Bett geht und sich jetzt 3 Stunden früher oder später schlafen legt, dem ist zu empfehlen, die Pumpenuhr beim zu Bett gehen auf die sonst übliche Zubettgehzeit (23:00 Uhr) zu stellen.

Spätheimkehrer, die die Uhr der Pumpe zurückstellen, sollten sie im Laufe des Tages - am Besten im BR-Tief nach dem Mittag - wieder auf die richtige Uhrzeit stellen.
Denn, wenn es eine lange Nacht war (siehe 2. Bild) aber man wie üblich früh raus (7.30 Uhr) muss, würde die Rückstellung der Uhr beim Aufstehen zu einem Insulinmangel führen. 

 

Hinweise:

  1. Beim Aufstehen richtet sich der Insulinbedarf je BE nach der Resistenzkurve.
    Bei der sonst üblichen Bettgezeit (1. Bild) liegt um 10:00 Uhr eine deutlich bessere Insulinempfindlichkeit vor, als beim viel späteren Einschlafzeitpunkt (2. Bild). Hier sind noch erhebliche Mengen Cortison im Blut, die zu einer stärkeren Insulinunempfindlichkeit führen.
  2. Verschiebt sich der Einschlafzeitpunkt nur um 1-2 Stunden ist nichts zu veranlassen.
  3. Der oben beschrieben Trigger hat bis 12:oo Uhr mittags keine Wirkung (Karenzzeit), wenn wir üblicherweise gegen 23:00 Uhr einschlafen. Das hängt vermutlich mit dem „automatischen" (15 Stunden) Rhythmus zusammen. Der Trigger wirkt jedoch sicher ab 14:00( - 15:00) Uhr.

(überarbeitet am 16.07.2011; wg. Karenzzeit)


Vielen Dank an Joa, der mir bei der Überarbeitung des Textes behilflich war.

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