Pumpentherapie beim diabetes m. Typ1

unter Beachtung der Schulungsinhalte des Diabetes-Dorf-Althausens

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HbA1(c)

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Der nachfolgende Text stammt von Dr. med. B.F. Teupe.
Dieser Text wurde mit Zustimmung des Verfassers, der Redaktion und des Herausgebers:
Dr. B.F. Teupe, Im Brunnental 10 (Diabetes-Dorf-Althausen), 97980 Bad Mergentheim
aus der:
Pumpen-Post 3/1995 entnommen.

Der Text bezieht sich inhaltlich auf den damals gültigen Standard. Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß es sich hier lediglich um einen html-Nachdruck handelt und keine Aktualisierungen vorgenommen wurden.
Dieser Text ist durch das © Copyright geschützt! Die Rechte liegen beim Verfasser.


Glyko-Hb (verzuckerter roter Blutfarbstoff )

Hand auf's Herz:

  • Wird bei Ihnen als Diabetiker(in) 4-mal jährlich der "HbA1"-Wert gemessen?
  • Kennen Sie den Unterschied zwischen HbA1 und HbA1c?
  • Wußten Sie, daß es noch das Glyko-Hb gibt?
  • Wie zuverlässig kann man vom "HbA1"-Wert auf den vergangenen Blutzuckerverlauf schließen?
  • Paßt Ihr "HbA1"-Wert nicht zu Ihrem Blutzucker?
  • Sind Sie von unterschiedlichen Angaben zu den Normalbereichen der "HbA1"-Methoden verunsichert?
  • Haben Sie bei Nachfragen von Ihrem Hausarzt oder vom Labor ausweichende Antworten erhalten?

Weil das Thema "HbA1" kompliziert erscheint, haben viele Diabetiker und Hausärzte damit Schwierigkeiten. Nichts ist aber so schwierig, als daß man es nicht doch verständlich darstellen könnte.

bft1.jpg

©Dr.B.F. Teupe

 

Blut erhält seine Farbe vom Hämoglobin (Abkürzung Hb in HbA1,HbA1c, und Glyko- Hb). Chemisch betrachtet handelt es sich um ein Eiweiß mit Aufnahmevorrichtungen (Bindungssteilen) zum Transport des lebensnotwendigen Sauerstoffs. Es ist aus 4 verknäulten Fäden (Aminosäureketten) aufgebaut, der weitaus größte Teil normalerweise aus je 2 A(alpha)- und B(beta)-Ketten (siehe obige Abbildung).

Mit dieser Verpackung nennt man sie rote Blutzellen(Erythrozyten). Diese werden ununterbrochen im Knochenmark bedarfsgerecht hergestellt. Nach ca. 4-monatigem Dauereinsatz als Sauerstoffträger gealtert, werden sie von der Milz ausgemustert. Wenn keine besonderen Blutkrankheiten vorliegen, beträgt das Durchschnittsalter aller roter Blutzellen (neugeborene, erwachsene, greise) somit zu jeder Zeit ungefähr 60 Tage.

Die Hämoglobinketten schwimmen nicht frei im Blut,
sondern werden von schützenden Häutchen umhüllt.

 

Die Eiweiß-Verzuckerung (und ähnliche Vorgänge)

Wie alle Körper-Eiweiße kann auch Hämoglobin Traubenzucker anlagern. Dies geschieht zunächst in lockerer, rückbildungsfähiger Form, aus der erst nach etlichen Stunden eine feste Zucker-Eiweiß-Verbindung wird.

Diese Verzuckerung ereignet sich an mehreren Stellen der Hämoglobinketten, mehr als die Hälfte aller Verzuckerungen findet man an einem bestimmten Ende der B-Ketten. Der Blutfarbstoff kann auch mehrfach verzuckern. Zucker-Hämoglobin entsteht in niedrigerem Prozentsatz auch beim Gesunden, beim Diabetiker umso mehr, je stärker und je länger der Blutzucker erhöht ist.

Hämoglobin kann - meist in geringerem Umfang - auch von anderen Zuckern, von Harnstoff (besonders bei ausgeprägter Nierenschwäche), von Alkohol und von dem Schmerz- und Rheuma-Medikament Acetylsalicylsäure (z. Bsp. ASS, Aspirin11) verändert werden. Insgesamt entstehen viele verschiedene Hämoglobin-Verzuckerungsprodukte (verschiedene Ketten, verschiedene Stellen, Mehrfachverzuckerungen) und andere Abwandlungen des roten Blutfarbstoffes.

 

Da ein Hämoglobin-Teilchen hunderte Male schwerer ist als jedes dieser angelagerten Stoffe, fallen selbst mehrfache Veränderungen nur relativ gering aus. Meßverfahren müssen diese geringfügigen Unterschiede sowohl zum unveränderten Hämoglobin als auch zu den verschiedenen Abwandlungsprodukten erkennen - eine hohe Anforderung an die Labormethoden.


Das Zuckergedächtnis

Zeiten hoher Blutzuckerwerte hinterlassen also an der Hämoglobin-Fäden vermehrt Verzuckerungs-Spuren. Diese verschwinden erst wieder, wenn die gesamte rote Blutzelle (mit ihrer Zucker-Information) von der Milz ausgesondert wird, oder wenn sie aus anderen Gründen vorzeitig verschwindet (Blutung, krankhafter Blutzerfall).

Je mehr Traubenzucker-TeiIchen an den Hämoglobin-Fäden angeheftet sind, desto stärker und länger war der Blutzucker überhöht. In den roten Blutzellen wird dabei aber nicht der genaue Blutzuckerverlauf in allen Einzelheiten aufgezeichnet, sondern nur dessen Gesamt-Tendenz. Dieser Trend wird normalerweise für durchschnittlich 60 Tage gespeichert (durchschnittliche Lebenserwartung aller roter Blutzellen von jedem Zeitpunkt aus). Er ist als Prozentsatz verzuckerter roter Blutzellen jederzeit im Blut meßbar.

"HbA1" = 7% bedeutet, daß 7 von 100 Hämoglobin-Ketten verzuckert sind, also 93 von 100 frei von Traubenzucker sind.

Welche Verzuckerungsprodukte gemeint sind, hängt von der eingesetzten Meßmethode ab.


Die verschiedenen Zucker-Hämoglobine

Man kann gedanklich aus der Vielzahl der möglichen Zucker-Hämoglobine ganz bestimmte herausgreifen. Praktisch gibt es jedoch nicht für jedes Verzuckerungsprodukt ein passendes Meßverfahren bzw. wäre der Aufwand bei manchen sehr groß. Eine vollständige Erfassung sämtlicher Zucker-Hämoglobine gelingt noch am einfachsten:

Gleichgültig, welche Hb-Kett vorliegt -egal, welche Kettenposition verzuckert wurde - unabhängig, ob noch andere Hämoglobin-Veränderungen vorliegen: das Gesamtverzuckerungsausmaß heißt Glyko-Hb

Man hat auch Methoden entwickelt, welche das mengenmäßig hauptsächliche Zucker-Härnoglobin ziemlich "rein" und vollständig messen:

Alle B-Ketten, die an einem bestimmten Ende Traubenzucker angelagert haben, heißen HbA1c.
Der HbA1c-Wert Ist nicht so einheitlich zu beschreiben. Er enthält HbA1 , und noch einige andere Verzuckerungsprodukte, aber nicht soviele wie das Glyko-Hb.

Er ist nicht durch theoretische Überlegungen entstanden, sondern beschreibt alle diejenigen Verzuckerungsprodukte, die eine bestimmte Methode mißt. Überspitzt ausgedrückt messen die verschiedenen HbA1- (und HbA1c)-Meßmethoden nicht genau das Gleiche, wenn auch jeweils etwas sehr Ähnliches. Deshalb kann man die gedanklich klar unterscheidbaren Zucker-Hämoglobine auch nicht losgelöst von ihren Meßmethoden betrachten.

Die Namen HbA1 und HbA1c, beschreiben in der Reihenfolge A0/A1, die Reihenfolge der unverzuckerten/verzuckerten Hämoglobine, die Kleinbuchstaben (a, b,) c (und d) kennzeichnen unterschiedliche Gruppen von Zucker-Hämoglobinen, so wie sie bei einer bestimmten Labormethode (Ionenaustausch-Chromatografie) hintereinander erscheinen.

 

Eine rote Blutzelle, die den Diabetiker durch ihren Verzuckerungsgrad "als Freund und Helfer überwacht" (Übersetzung der Bildüberschrift). An dem Bild des Zuckergesichtes lassen sich die Unterschiede zwischen den verschiedenen "HbA1"-Werten gut verständloch machen:

  • HbA1cfotografiert nur die Augen,
  • HbA1 bildet Augen und Mund ab,
  • Glyko-Hb stellt das gesamte (süße) Gesicht gar.


Die gemessenen Werte verschiedener Zucker-Hämoglobine unterscheiden sich stark.

Blutzucker-Veränderungen spiegeln sich am deutlichsten und schnellsten im Glyko-Hb-Wert wider. Bereits 10 Tage nach energischer Blutzucker-Veränderung weist dies der Glyko-Hb-Wert zweifelsfrei nach.


Die verschiedenen Meßmethoden für Zucker-Hämoglobine

(Stand 1995!)

Für Zucker-Hämoglobine gibt es viele Meßmethoden, teils in verschiedenen Varianten, etliche Firmen teilen sich den Markt.
Aus der Übersichtstafel sollen kurz von den wichtigsten Methoden die Meßgrößen, die Vor- und Nachteile benannt werden.
Eine genaue Darstellung der Prinzipien der Meßmethoden soll hier nicht erfolgen.


  • Die Ionenaustauschchromatografie ist am weitesten verbreitet. Man kam mit ihr sowohl HbA1c - als auch HbA1-Werte messen. Die Methode ist unter anderem für Temperaturänderungen extrem anfällig. Kranke oder andersartige Hämoglobine führen meist zu unsinnigen Ergebnissen. Die Blutprobe muß binnen weniger Tage verarbeitet werden.
  • Die HPL-Chromatografie ist eine durch hohen technischen Aufwand verbesserte Ionenaustauschchromatografie. Sie mißt wie diese HbA1c - und HbA1-Werte und hat ähnliche Schwierigkeiten bei der Unterscheidung bestimmer Hämoglobin-Varianten und bei krankhaft verändertem Blutfarbstoff. Die Probe muß nach wenigen Tagen verarbeitet sein.
    Die Vollautomatisierung hat die HPLC-Methode in Großlabors trotz ihres hohen Preises beliebt gemacht. Meß-Wiederholungen an der gleichen Blutprobe führen zu geringen Ergebnisabweichungen (sehr gute Präzision).

    Für die Messung genügt wenig Blut. Nach der Blutzucker-Selbstkontrolle kann von der Fingerbeere in ein spezielles feines Glasröhrchen eine genau vorgeschriebene Blutmenge aufgesaugt werden. Diese wird in ein vorbereitetes, flüssigkeitsgefülltes Probenhütchen entleert und kann per Post ins Labor geschickt werden.

  • Die Affinitätschromatografie ist erst ca. 10 Jahre (Anm. 1995) bekannt. Sie mißt Glyko- Hb. Der Laboraufwand ist gering. Die Meßmethode ist kaum störanfällig. Hämoglobin- Varianten und krankhafte Blutfarbstoffe beeinflussen das Ergebnis nicht.
    Bluttropfen im Anschluß an die Blutzucker-Selbstkontolle werden von einem besonderen Papier aufgesaugt, dieses Löschpapier befeuchtet und in einem dichten Beutel postalisch verschickt. Selbst 3 Wochen nach der Blutentnahme mißt man nicht die ursprünglichen Werte. Die Affinitätschromatografie ist erheblich weniger störanfällig als die Ionenaustausch- Chromatografie.
  • Seit kurzem werden neue Immuno-Assays für die HbA1c -Messung angeboten. Entgegen früheren Erfahrungen kann man deren Richtigkeit und Präzision akzeptieren. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß man sie "auf dem Schreibtisch" in wenigen Minuten durchführen kann.
  • Die TBS-Methoden messen zwar den Gesamt-Verzuckerungsgrad, sind aber auf HbA1c geeicht. Ihr Zeitaufwand ist sehr groß.
  • Die Elektrophorese hat ähnliche Schwierigkeiten wie die Ionenaustauschchromatographie und ist zu unpräzise.
  • Die übrigen Meßverfahren haben nur noch untergeordnete Bedeutung.

Erniedrigung des Zucker-Hämoglobin-Anteils bei Blutzufuhr und krankhaftem Blutzerfall

Es gibt Umstände, bei denen sich weniger Zucker-Hämoglobin im Blut befindet, als dies normalerweise dem vergangenen Blutzucker-Verlauf entspricht. Dann messen sämtliche Bestimmungsmethoden "falsche" niedrige Werte. Ein eigentlicher Meßfehler (Methodenschwäche) liegt jedoch nicht vor, denn es werden die tatsächlich vorliegenden Zucker-Hämoglobine vollständig erfaßt. Allerdings ist diese Menge im Blut niedriger als üblich.

Dies kommt vor,

  • wenn Blut von nicht optimal behandelten Diabetikern (höherer Zucker-Hämoglobin-Anteil) mit Blut niedrigeren Zucker-Hämoglobin-Anteils vermischt wird. Der Zucker-Hämoglabin-Anteil des Diabetikers wird dabei "verdünnt", der Prozentsatz verzuckerten Blutfarbstoffes sinkt ab. Ganz augenfällig passiert dies bei Bluttransfusionen schlecht eingestellter Diabetiker. Auch in der Erholungsphase nach Blutverlusten kommt es zu einer "inneren Blutzufuhr". Die vom Körper neugebildeten, (fast) noch unverzuckerten roten Blutzellen vermischen sich mit dem vorhandenen Blut. Nennenswerte Blutverluste können auftreten bei Verletzungen, Operationen, therapeutischen Aderlässen, Blutspenden, starken Regelblutungen, Magen-Darmblutungen,... .
  • wenn die durchschnittliche Lebenszeit der roten Blutzellen sinkt. Der Blutfarbstoff wird dann kürzer als üblich dem Blutzuckergeschehen ausgesetzt. Hiermit verringert sich die Wahrscheinlichkeit, daß Hämoglobin während seines Lebens verzuckert wird, der Prozentsatz verzuckerten Blutfarbstoffes fällt niedriger aus. Es gibt etliche Krankheiten, bei denen Blut schubweise oder andauernd schneller als üblich abgebaut wird. Der einsetzenden Blutarmut begegnet der Körper mit beschleunigter Blutbildung. Häufiger vorkommende derartige Erkrankungen sind der beschleunigte Blutzerfall bei schweren Infektionskrankheiten und teilweise darauf zurückzuführen die Blutarmut bei ausgeprägter Nierenschwäche.


Verwechslung ungewöhnlicher oder veränderter Hämoglobine mit Zucker-Hämoglobinen bei bestimmten Meßmethoden

Es gibt ungewöhnliche Hämoglobine, bei denen ganze Ketten des Blutfarbstoffes andersartig aufgebaut sind.

Das Wichtigste ist die Vermehrung des sogenannten HbF, das auch bei Gesunden in kleinen Mengen vorkommt. Man findet es bei Neugeborenen, ca. 20 % der Schwangeren entwickeln hiervon bis zu maximal 5% und als Erbkrankheit gibt es besonders im Mittelmeer-Raum Menschen, die hiervon teils über 50% bilden (Thalassämien). Die HbA1c -Werte sind bei diesen Menschen um diese Beträge falsch überhöht.

Es gibt über 500 ungewöhnliche Hämoglobine, bei denen nur kleine Details (Aminosäuren) vom sonst richtigen Blutfarbstoff abweichen. In Nordamerika findet man diese bei ca. 1 % der Bevölkerung. Das weitaus häufigste findet sich bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe (HbS), es folgen in deutlichem Abstand HbC und HbE. Bei ihnen mißt die lonenaustauschchromatogralie falsch niedrige HbA1c -Werte.

Normale und ungewöhnliche Hämoglobine können bei ASS-Tabletten-Einnahme, bei ausgeprägter Nierenschwäche und bei Alkoholkranken so verändert werden, daß sie von der lonenaustauschchromatografie mit Zucker-Härrioglobinen verwechselt werden. Dies führt zur falschen Erhöhung der HbA1c -Werte um maximal 3(Absolut)%-Punkte. Unglücklicherweise unterscheiden sich trotz gleichen Meßprinzips für ein gleiches Zucker- Hämoglobin die Ergebnisse von Hersteller zu Hersteller zum Teil beträchtlich, es gibt sogar Meßergebnisunterschiede von Labor zu Labor bei gleicher Methodik. Die Beurteilung eines "HbA1"-Wertes wird auch dadurch erschwert, daß Hersteller und Labore oft ungenügende Angaben zum "Normalbereich" einer Methode machen. Anstelle anzugeben, welchen Prozentsatz man bei Gesunden mißt, findet man auf Laborblättern öfter Therapieziele. Gelegentlich sind diese Empfehlungen keineswegs geeignet, gerade bei jüngeren Diabetikern Folgekrankheiten zu vermeiden.


Die Normalbereiche für Zucker-Hämoglobine

Da es verschiedene Zucker-Hämoglobine gibt und jede ihrer Meßmethoden "etwas anderes" mißt, gibt es auch methodenabhängige unterschiedliche Normalbereiche. Unabhängig richtet aber mancher Laborzettel heikle Konfusion an! Zu jedem Zucker-Hämoglobin-Ergebnis gehört die korrekte Aussage, ob es sich um einen HbA1c -, HbA1- oder Glyko- Hb-Wert handelt - am besten mit der Angabe der verwendeten Methode und des Herstellers. Auch muß deren "Normalbereich" mitgeteilt werden.

Der richtige Normalbereich ist die Zahlenspanne, innerhalb derer sich die Zucker-Hämoglobine Gesunder bewegen.

Liegen höchster und niedrigster Wert dieses Bereiches um mehr als 2 auseinander, dann handelt es sich entweder nicht um einen echten Normalbereich (siehe die beiden nächsten Möglichkeiten), oder aber die Labormethode mißt "unpräzise".

Man findet anstelle echter Normalbereiche häufiger "Therapieempfehlungen". Dies kann eine sinnvolle Hilfe sein, wenngleich die beste Empfehlung der Normalbereich ist. Von ihm darf man insbesondere im hohen Lebensalter etwas nach oben abweichen, auch ist dieser nicht von allen Diabetikern verwirklichbar.

Völlig inakzeptabel sind jedoch stark überhöhte "Normalbereiche", die eher der traurigen Zustandsbeschreibung der schlechten Blutzuckereinstellung vieler Diabetiker entsprechen. Einen HbA1-Wert bis 10% als "noch gute Einstellung" zu beschreiben, mag kurzfristig den Diabetiker und seinen Hausarzt über einen schlechten HbA1-Wert beruhigen - eine trügerische Ruhe vor den Folgekrankeiten ("Spät"schäden).

Beispiele für echte Normalbereiche:

HbA1c 3.4-4.8%
Ionenaustauschchromatografie (Fa. biorad)

HbA1 4.9-6.9%
Ionenaustauschchromatografie (Fa. PANCHEM)

Glyko-Hb 4.0-6.0%
Affinitätschromatografie (Fa. Isolab)



Abschätzung des vergangenen Blutzuckerverlaufs

Man kann seinen Zucker-Hämoglobin-Wert nur dann richtig deuten, wenn man

  • sicher weiß, ob es sich um einen HbA1c - einen HbA1- oder einen Glyko Hb-Wert handelt und welche Meßmethode verwendet wurde
  • sicher weiß, daß die verwendete Methode nicht gestört wurde (Schwangerschaft, Nierenschwäche, Alkoholismus, ASS-Tabletten-Einnahme....).
  • sicher ist, keine Blutarmut zu haben.

Am einfachsten ist die Frage zu beantworten, ob sich der Blutzucker in den vergangenen Wochen verbessert oder verschlechtert hat.

Hierzu vergleicht man den aktuellen mit dem letzten Zucker-Hämoglobin-Wert. Dies geht aber nur dann, wenn beide Werte mit der gleichen Methode bestimmt wurden. Falls dieser Wert um mindestens 1%-Punkt gesunken ist, dann hat sich der Blutzucker verbessert, ist er um mehr als 1 %-Punkt gestiegen, dann hat er sich verschlechtert. Weil die meisten Meßmethoden Meßwert-Wiederholungsfehler (Streuung, Präzision) von maximal 1%- Punkt machen, kann man erst ab einer Abweichung von über 1 %-Punkt sicher sein, daß sich die Blutzuckerstoffwechselllage tatsächlich verändert hat.

Schwieriger ist es, von einem gemessenen Zucker-Hämoglobin -Wert "exakt" auf den vergangenen Blutzuckerverlauf zurückzuschließen.

Die weit verbreitete Meinung, daß die Zucker-Hämoglobine einen Blutzucker-Durchschnittswert ("mittlerer Blutzucker') angeben würden, ist im strengen Sinne falsch: die Traubenzucker-Anlagerung an den Blutfarbstoff ist nämlich derart träge und in den ersten Stunden rückbildungsfähig, daß bei häufigen, kurzdauemden, starken Blutzucker-Überhöhungen weniger Zucker-Hämoglobin entsteht als bei andauernd "mäßigen".

Dies ist der Grund, weshalb (stabile) Typ-2-Diabetiker bei gleichem "Blutzucker- Durchschnittswert" höhere Zucker-Hämoglobin-Werte aufweisen als (labile) Typ-1-Diabetiker.

Um tatsächliche Blutzucker-Durchschnittswerte zu messen, müßte man viele Wochen ohne Unterbrechung (kontinuierlich) den Blutzucker bei einem Menschen bestimmen, zum Beispiel mit einem "Glucosensor". Um die Zusammenhänge zu den Zucker-Hämoglobinmethodenzu erhalten, müßte man dies mit vielen Diabetikern mit allen Methoden durchführen - praktisch derzeit noch schwierig.

Sinnvoller ist es deshalb, bei einer sehr großen Zahl von Diabetikern "ausgesuchte" Blutzuckerwerte mit den zugehörigen Zucker-Härnoglobin-Werten zu vergleichen.

Ich habe dies an über 4500 Diabetikern, teils typ-getrennt für die jeweils aktuelIen Nüchternwerte und für die Tages- Höchstwarte gemacht. Dabei sind erstaunlich "lineare Beziehungen" herausgekommen. Dennoch darf man diese "Kurven" nur als Trends auffassen, weil der einzelne Patient hiervon beträchtlich abweichen kann.

Da die Folgekrankheiten beim Diabetes teilweise auf Verzuckerungen aller Körper-Eiweiße beruhen, hat man mit dem Zucker-Hämoglobin-Wert auch einen Maßstab r die Schnelligkeit dieses Vorgangs.

Praktische Ratschläge

  1. Wenn ein HbA1 oder HbA1c mit der Ionenaustauschchramatografie (auch in seiner HPL-Form) gemessen wurde, dann dürfen bestimmte Störfaktoren bei den Diabetikern nicht vorhanden sein:
    - Ausschluß ungewöhnlicher Hämoglobine (praktische Bedeutung bei Schwangerschaften und Menschen aus dem
    Mittelmeerraum, sowie bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe
    ),
    - kein Alkoholismus,
    - keine wesentliche Nierenschwäche,
    - keine Dauereinnamhe von Acetylsalicylsäure.
    Unter diesen Bedingungen sind diese Werte bei sachgerechter Analyse richtig.
  2. Wenn sich bei der Normalbereichsangabe der höchste vom niedrigsten Wert um mehr als 2%-Punkte unterscheidet, handelt es sich entweder um eine unpräzise Methode ider aber um eine Therapieempfehlung.
  3. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt oder bei Ihrem Labor, nach welcher Meßmethode Ihr "HbA1"-Wert gemessen wurde und wie der tatsächliche Normalbereich ist. Drängen Sie darauf, daß man nach Festlegung der geeigneten Methode bei dieser bleibt. Sie können nicht unbedingt davon ausgehen, daß Ihr Arzt oder Angestellte aus dem Labor die verwickelten Zusammenhänge kennen. Machen Sie sich also selbst kundig.
  4. Die HbA1c -Werte sind die kleinsten, die Glyko-Hb-Werte die höchsten, die HbA1-Werte liegen in der Mitte. Dies kann folgende Zahlen ergeben: HbA1c nach der Mikrosäulenmethode (biorad): 10 %, HbA1c ionenaustauschchromatografisch (PANCHEM): 15 %, Glyko-Hb affinitätschromatografisch (Isolab):22 %.
  5. Bei unplausibel hohen oder niedrigen "HbA1"-Werten ("HbA1"-Wert paßt nicht zum Blutzucker!) könnte eine andere Meßmethode verwendet worden sein. Es kann aber auch sein, daß die Meßmethode gestört wird.
  6. Sämtliche Meßmethoden messen falsch niedrige Werte bei Blutarmut.
  7. Selbst häufige, nur Stunden andauernde Überzuckerungsentgleisungen (instabile Blutzuckerstoffwechsellage) führen nur zu geringen Zucker-Hämoglobin-Wert- Erhöhungen bei allen Methoden. Gerade diese Eigenschaft des Verzuckerungsvorgangs zeigt, daß die (meist mehrmals tägliche) Blutzucker-Selbstkontrolle unentbehrlich bleibt.
  8. Die am wenigsten störanfällige Meßmethode zur richtigen und präzisen Bestimmung verzuckerte Hämoglobine ist die Affinitätschromatografie. Sie mißt den Gesamtverzuckergrad des roten Blutfarbstoffes. Das Glyko-Hb reagiert am schnellsten auf Veränderungen der Blutzucker-Stoffwechsellage. Störfaktoren sind nicht bekannt.

18.04.2000 © für die HTML-Fassung bei Matthias Chrostek (bitte das (at) in der Mailadresse durch das übliche "@" austauschen


© für den Inhalt bei Dr. B.F. Teupe, Im Brunnental 10 (Diabetes-Dorf-Althausen), 97980 Bad Mergentheim

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